Familie / Ordnung / Unterordnung:
Ammern (Emberizidae) / Sperlingsvögel (Passeriformes) / Singvögel (Passeres)
Lateinischer Name:
Emberiza pusilla
Aussehen
Die Zwergammer (Emberiza pusilla) ist mit 12 bis 13 Zentimetern Körperlänge eine der kleinsten Ammern Europas. Ihr Erscheinungsbild wirkt gedrungen, der Schnabel ist kurz, kegelförmig und hornfarben. Im Prachtkleid zeigen die Männchen einen markanten braunen Scheitel, ein weißliches Gesicht mit deutlichem dunklem Wangenstreif sowie rotbraune Ohrdecken. Brust und Flanken sind fein gestrichelt, der Bauch hingegen hell. Die Weibchen und Jungvögel sind insgesamt matter gefärbt, mit weniger kontrastreichen Kopfzeichnungen, was eine gute Tarnung in ihrem Lebensraum bietet. Der Schwanz ist kurz, zeigt aber helle Außenkanten, die im Flug sichtbar werden. Trotz ihrer geringen Größe wirkt die Zwergammer lebhaft und auffällig beweglich.Verbreitungsgebiet
Das Brutareal der Zwergammer erstreckt sich von Nordosteuropa über große Teile Sibiriens bis nach Ostsibirien und Nordchina. Die westliche Grenze liegt in Nordskandinavien. Während der Zugzeit zieht sie weite Strecken nach Süden und überwintert in Süd- und Südostasien. In Mitteleuropa tritt die Art nur als seltener Durchzügler oder Irrgast auf, am ehesten an Küstenstreifen oder während Zugperioden.Lebensraum
Die Zwergammer bevorzugt in der Brutzeit feuchte, buschreiche Tundren, Moor- und Waldtundren sowie lichte Nadel- und Birkenwälder mit dichtem Unterwuchs. Sie nistet vor allem am Boden oder in niedriger Vegetation. Auf dem Zug und im Winter sucht sie offene Landschaften, Felder und brachliegende Flächen auf, wo sie in kleinen Trupps nach Nahrung sucht.Verhalten
Die Zwergammer ist ein Zugvogel, der in weiten Schwärmen lange Distanzen überbrückt. Während der Brutzeit lebt sie unauffällig, meist paarweise. Ihre Rufe sind ein helles, kurzes „zick“ oder „tschip“, das im Schwarmflug häufig zu hören ist. Der Gesang ist leise, zwitschernd und nicht besonders auffällig. Die Vögel halten sich häufig am Boden auf, wo sie Nahrung aufnehmen, bei Gefahr fliegen sie abrupt auf und setzen sich schnell wieder in Deckung. Während des Zuges bilden sich gemischte Trupps mit anderen Finken und Ammern.Ernährung
Die Nahrung besteht überwiegend aus feinen Sämereien, besonders von Gräsern und Kräutern. Während der Brutzeit ergänzen Insekten, Spinnen und andere Wirbellose die Nahrung, da die Jungvögel auf eiweißreiche Kost angewiesen sind. Im Winterhalbjahr fressen Zwergammern fast ausschließlich Pflanzensamen. Bei der Nahrungssuche bewegen sie sich hüpfend am Boden und picken die Samen direkt von Pflanzen oder aus der Streuschicht.Fortpflanzung
Die Brutzeit beginnt im Mai oder Juni. Das Nest wird sorgfältig am Boden oder knapp darüber in dichter Vegetation gebaut und mit Gräsern, Moos und feinen Halmen ausgepolstert. Das Gelege umfasst meist 4 bis 6 Eier, die graubraun gesprenkelt sind. Die Brutdauer beträgt 11 bis 13 Tage, und beide Eltern füttern die Jungvögel. Nach rund zwei Wochen sind die Jungen flügge, werden aber noch einige Zeit von den Altvögeln begleitet.Gefährdung
Die Zwergammer gilt global als „Least Concern“ (nicht gefährdet). In Europa ist sie jedoch selten und auf die nordskandinavischen Populationen beschränkt. Bestände sind lokal von Habitatveränderungen betroffen, etwa durch Entwässerung von Mooren oder intensive Landnutzung. Langfristig könnte auch der Klimawandel, der die Tundrazonen verändert, Einfluss auf die Verbreitung haben. Insgesamt bleibt die Art durch ihre weite Verbreitung in Asien relativ stabil.Natürliche Feinde
Wie viele kleine Bodenbrüter ist die Zwergammer besonders durch Nesträuber gefährdet. Marder, Füchse und Rabenvögel plündern Gelege und Jungvögel. Greifvögel wie Sperber und Merlin schlagen erwachsene Tiere, vor allem während des Zuges. Durch ihr unauffälliges Verhalten und das Schutz bietende Habitat gelingt es der Zwergammer jedoch meist, den Feinddruck zu minimieren.
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